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Wendelin Baumstark in Rastatt

Baumstark: Nachruf auf meinen Freund Wendelin

Lieber Wendelin,

wir beide sind durch gemeinsame Arbeit für die GfA seit 40 Jahren verbunden. Dir ging es stets um mehr als vernunftbezogene Arbeitsmethodik, Dein Thema war das wertebezogene Leben. Angesichts Deiner Verwundungen und Erinnerungen als junger Soldat, Zeitzeuge des Rommel-Blitzkrieges in Afrika, wusstest Du aus eigenem Erleben, welche seelische Verwüstung reiner Intellekt, nur Instrument, und ausschließlicher Willensbezug in den Menschen hinterlässt – erst recht wenn dies mit rationellster Arbeitstechnik und Organisation verbunden wird. Dir geht es um die sittliche Unversehrtheit. Deshalb ist Glauben so viel mehr als Wissen. Wissen ist immer Halbwissen im Fluss. Glauben ist Fundament des ganzheitliche Lebens. Viele Menschen haben größte Mühe, ein wertebezogenes Leben aus der Mitte der Person heraus zu führen. Du verabscheust die maßlose Gier nach materiellen Werten, wie wir sie auf Schritt und Tritt erleben. Dies untergräbt alles. Dafür hattest Du ein besonders wachsames Auge. Die Gestaltung Deiner Arbeit und die Auswahl Deiner Referenten zeugt davon. Wir haben auf Dein Drängen den Titel der GfA um „Lebensgestaltung“ erweitert und unsere Programme demgemäß erweitert. Damit wurde unsere Arbeit ganzheitlich rund und bundesweit vorbildliches Beispiel, integrierte alle. Deine Arbeit auf unzähligen GfA-Abenden und den Kongressen, die Du mit Deiner Gruppe organisiertest, sprechen davon. Danke, dass ich daran mitarbeiten durfte. Zu Deiner zentralen Frage, „wie finden wir zu einem sinnvollen, wertvollen, heilen Leben?“ führten wir vor 10 Jahren ein langes Interview. Die Person ist der Baustein der Gemeinschaft – mit Bewusstsein, Gewissen und Gestaltungswillen. Sie ist so viel mehr als das Maschinenelement Soldat. Du wusstest genau um die lebensentscheidende Wichtigkeit der Mutter für das Lebens-Schicksal ihres Kindes.
Die geistigen Werte werden zur Sprache. Sie werden zur inneren Stimme der Person. Das christliche Bild vom Wesen der Person war lebenslang Dein Wertmaßstab. Darin sind wir uns stets einig gewesen. Dein Beruf als Lehrer hat Dir diesbezüglich viel Anerkennung Deiner Schüler gebracht. Die Person orientiert sich an den christlichen Werten – es gibt keine besseren: das ist Deine Mission. Asketisch lebtest Du es vor bis zuletzt. Das Manuskript hast Du lange ausgebaut, mit ihm gekämpft – eine große Baustelle, auf der immer viel zu tun blieb. Deine große gute
Familie half Dir dabei. Du warst sehr stolz auf sie. Das ist der Kern Deines Erbes. Deine geliebte zu früh gestorbene Frau prophezeite Dir die 100. Seit Jahren telefonierten wir fast wöchentlich miteinander – bis Ende September. Du zähltest die bis zu Deinem hundertsten Geburtstag verbleibenden Monate, jetzt war es nur noch einer. Nun bist Du für mich überraschend etwa 3 Wochen vor Deinem Ziel aus dem Leben gegangen. Ich hatte mich sehr auf die Feier zu Deinen Ehren gefreut, meine Frau und ich wollten Dir diese Ehre erweisen.

Wie viele andere vermisse ich Dich sehr.
Dein Helmut

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