Endlich in Rente – und was kommt jetzt?

Endlich in Rente – und was kommt jetzt?

Den Übergang in den Ruhestand aktiv gestalten

Für unsere Urgroßeltern und Großeltern bestand der größte Teil ihres Lebens aus Arbeit. Hatten sie Glück und erreichten den wohlverdienten Ruhestand, so waren ihnen in der Regel nur noch einige Lebensjahre vergönnt. Die Zeiten haben sich gewandelt. Denn anders als noch vor 100 Jahren stehen die Chancen für uns heute so gut wie nie, dass wir das Ruhestandsalter erreichen. Und nicht nur das: In den vergangenen Jahrzehnten ist die Lebenserwartung stetig gestiegen. Wer in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen wird, dem verbleiben im Schnitt noch 20 bis 30 Jahre. Es gibt immer mehr ältere Menschen, die immer älter werden. Der demographische Wandel stellt die Gesellschaft und den Einzelnen vor völlig neue Herausforderungen. Der nachberufliche Lebensabschnitt wird immer länger – er will geplant und gestaltet werden.

Männer fallen öfter in ein emotionales Loch

Der Abschied aus dem Erwerbsleben und der Übergang in den Ruhestand stellt für die meisten Menschen eine bedeutsame Zäsur in ihrem Leben dar und eine der wichtigsten Aufgaben, die es zu meistern gilt. Den Tagesablauf, der das eigene Leben über viele Jahre geprägt hat, gibt es plötzlich nicht mehr. Eine Konstante, die jahrzehntelang Sicherheit versprach, bricht weg. Nun ist er da, der wohlverdiente Ruhestand, und alles ist anders. Unsere Gesellschaft ist geprägt vom Leistungsgedanken. Der beginnt bereits in der Grundschule. Es gilt, den angestrebten Schulabschluss zu schaffen, eine Ausbildung oder ein Studium abzuschließen, den ersten Job anzutreten und im Laufe der Zeit beruflich aufzusteigen, Karriere zu machen, Verantwortung zu übernehmen. Plötzlich aber geht es nicht mehr um Leistung, Wettbewerb und Sieg. Kein Chef, kein Stress, keine Termine, keine Meetings, keine Anerkennung – von Tempo 120 runter auf 0. Viele Menschen, vorzugsweise Männer, fallen nach dem Arbeitsleben erst einmal in ein emotionales Loch. Vor allem für Menschen in Führungspositionen ist der Beruf häufig nicht nur das halbe, sondern das ganze Leben. Auf den Wegfall dieser gesellschaftlichen Säule haben sie sich nicht ausreichend vorbereitet. Zielführende Bewältigungsstrategien fehlen. Es gibt im Leben dieser Menschen kaum etwas, was ihrem Ruhestand Sinn gibt und den Tag ausfüllt.

Rechtzeitig Zwischenbilanz ziehen

Um diese Leere mit Beginn des Ruhestandes gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist es wichtig, rechtzeitig eine Zwischenbilanz zu ziehen. Rechtzeitig heißt nicht erst mit Ende Fünfzig und kurz vor dem Ruhestand, sondern bereits mit Mitte Vierzig. Denn in diesem Alter stellen wir die Weichen für unser zukünftiges Leben, für die Zeit in der 3. und 4. Lebensphase. Wer hier neben Arbeit und Familie weitere sinnstiftende Betätigungsfelder für sich entdeckt, der wird den Übergang in die 3. Lebensphase und die Zeit des Ruhestandes sinnvoller zu gestalten wissen. Wo stehe ich? Und wo will ich hin? Will ich so weitermachen wie bisher? Wie soll mein zukünftiges Leben aussehen? Das sind nur einige Fragen, die sich jeder rechtzeitig vor dem Ruhestand stellen sollte.

Dabei kann es manchmal hilfreich sein, dem komplexen Gebilde „Mein Leben“ dadurch mehr Struktur zu geben, in dem man es in relevante Teilbereiche unterteilt. Folgende Fragenbereiche können eine erste Orientierung sein:

Fragen zur Standortbestimmung

  • Was habe ich in meinem Leben bereits erreicht und was steht noch aus?
  • Was kann und will ich noch erreichen, warum, wie und wann?
  • Wo liegen meine Grenzen? Was sind meine „Lebenshüte“, Verpflichtungen und Abhängigkeiten?
  • Worin habe ich bisher den Sinn in meinem Leben gesehen? Wie ist das heute? Und wie könnte es in Zukunft sein?
  • Über welche Kenntnisse, Erfahrungen, Begabungen und Fähigkeiten verfüge ich?
  • Wer braucht mich, meine Kompetenzen und Stärken, wenn ich in Rente bin?
  • Möchte ich noch etwas Neues lernen oder mir bestimmte Fähigkeiten aneignen?
  • Wie halte ich mich körperlich und geistig fit? Wie erhalte ich mir meine Jugendlichkeit?

Fragen zu Beruf, Geschäft und Finanzen

  • Will ich beruflich noch einmal durchstarten oder vielleicht etwas ganz anderes machen?
  • Wie bin ich finanziell gestellt? Möchte oder muss ich auch noch als Rentner weiterarbeiten?
  • Und wenn ja: Wie könnte ich mich selbständig machen? Sollte ich jetzt schon nebenbei ein „2. Standbein“ aufbauen?

Fragen zur Partnerschaft

  • Hat mein/e Partner/in bestimmte Vorstellungen, Pläne, Ziele und Wünsche für die 3. Lebensphase?
  • Wollen bzw. können wir etwas Gemeinsames realisieren, zum Beispiel den lang gehegten Wunsch einer eigenen Existenzgründung?
  • Wie finden wir das Gleichgewicht zwischen neuer ungewohnter Nähe und gewünschter  Distanz, zwischen gemeinsamen Aktivitäten und persönlichen Freiräumen?

Fragen zu Freunden, Familie und Kontaktnetzwerken

  • Welche Kontakte habe/n ich/wir, welche Freunde, welche Beziehungen und Verbindungen?
  • Wie sehen deren Vorstellungen und Pläne für die Zeit nach dem Erwerbsleben aus?
  • Wie steht es um die Familienmitglieder? Brauchen die eigenen Eltern eventuell Unterstützung? Gibt es Enkelkinder, um die wir uns kümmern wollen oder sollen?

Neue überregionale GfA- Gruppe „ Lebensgestaltung und Zukunftsorientierung“

Die GfA will sich dieser Thematik annehmen und wird daher nach der Hauptversammlung am 25.5.2019 mit einer neuen, überregional aktiven GfA-Themengruppe an den Start gehen. Planen, gestalten und genießen, die Balance von „Ziele finden/verfolgen“ und „Gelassenheit/Muße leben“ und ein „Nicht mehr müssen, aber können“ – unter diesem Leitgedanken soll diese neue GfA-Gruppe stehen. Geplant ist ein freundschaftlich-familiäres Kontaktnetzwerk, Seminare und Workshops zum Kennenlernen, zum Austausch, Perspektiven entwickeln und andere Zusammenkünften mit Teilnehmern aus allen Regionen der Bundesrepublik

Themenschwerpunkte werden sein:

  • Abschied vom Berufsleben
  • dem Leben einen Sinn geben
  • älter werden – aktiv jung bleiben
  • nachberufliche Lebensgestaltung
  • Chancen und Möglichkeiten des Älterwerdens
  • Konzepte für den Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand
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