Fallstricke für den Auftraggeber bei Auftragserteilung an Webdesigner/Administratoren: Dienstvertrag vs Werkvertrag

Was Sie bei der Auftragsvergabe an Webdesigner und Webmaster beachten sollten

Jedes Unternehmen benötigt für einen professionellen Auftritt eine eigene Webseite. Wer keinen auf die Webseitenerstellung spezialisierten Mitarbeiter hat, beauftragt dafür eine Webdesign-Agentur. Damit es später nicht zu einem Rechtsstreit kommt, ist es ratsam, sämtliche Details in einem Vertrag festzuhalten. 

Werkvertrag vs. Dienstvertrag

Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit, diesen Vertrag als Werkvertrag oder freien Dienstvertrag abzufassen. Allerdings unterscheiden sich diese Vertragsarten rechtlich voneinander. Schließen Sie einen Werkvertrag nach §§ 631 ff. BGB ab, schuldet Ihnen der selbstständige Webdesigner die Herstellung eines weitestgehend mängelfreien Werks (Webseite). Außerdem kann die Veränderung eines Werks Ziel eines Werkvertrages sein. Der Auftragnehmer erhält bei Abnahme des erfolgreich erstellten oder veränderten Werks die vertraglich vereinbarte Vergütung. Die Herstellung oder Veränderung erfolgt einmalig. Der Auftraggeber hat bei gravierenden Mängeln ein Recht auf Nachbesserung. Darunter fallen Fehler, die die Tauglichkeit und den Wert des Werks stark herabsetzen. Außerdem sind Termin und Umfang der Abnahme vertraglich festzuhalten. Die zu zahlende Vergütung hängt ausschließlich vom Werk ab. Wird der Vertrag nicht juristisch korrekt abgefasst, kann es bei gravierenden Mängeln zu langen andauernden Rechtsstreitigkeiten kommen: Was ein wesentlicher Mangel ist, wird meist von beiden Vertragsparteien unterschiedlich definiert. Erschwerend kommt hinzu, dass der Auftragnehmer bei einer verweigerten Abnahme das verwendete Material oder seinen finanziellen Gegenwert vom Auftraggeber einfordern darf. 

Bei einem Dienstvertrag nach §§ 611 ff. BGB treffen Sie mit Ihrem Vertragspartner eine Vereinbarung über ihren Arbeitseinsatz. Dieser sollte zwar erfolgreich verlaufen, aber dieser Erfolg ist nicht Ziel des Vertrages: Die Arbeitsleistung ist nicht an ein konkretes Projekt gebunden. Typische Dienstverträge sind beispielsweise Arbeitsverträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und rechtsanwaltliche Mandatsverträge. Wird der Dienstvertrag eingehalten, bekommt der Vertragspartner die schriftlich vereinbarte Vergütung. Ist Ihr Vertragspartner ein anderes Unternehmen, schließen Sie mit diesem einen freien Dienstvertrag ab.

Was ist ein Webdesign-Vertrag? 

Schauen Sie sich vor der Entscheidung für eine bestimmte Webdesign-Agentur unbedingt deren AGB an. Denn enthalten sie Fehler, können diese später zu Ihren Lasten gehen. Hat sie keine AGB, gelten die entsprechenden gesetzlichen Regelungen. Möchten Sie Ihre Webseite von einem selbstständigen Webdesigner gestalten oder ändern lassen, empfiehlt es sich, einen Webdesign-Vertrag aufzusetzen. In diesem sollten alle wesentlichen Details der Projekt- und Umsetzungsphase möglichst genau beschrieben sein. Nur so können Sie als Auftraggeber unliebsame Streitigkeiten schon im Vorfeld verhindern. Juristisch gesehen handelt es sich beim Webdesign-Vertrag um einen Werkvertrag (BGB-Urteil vom 27.01.2011, Az. VII ZR 133/10 Rn. 09): Der Webdesigner erstellt in Ihrem Auftrag eine Internetseite und erhält die festgelegte Vergütung, wenn er diese ohne schwerwiegende Mängel fertiggestellt und übergeben hat. Um spätere Probleme zu vermeiden, verpflichten Sie Ihren Auftragnehmer, schon in der Projektphase ein Pflichtenheft anzulegen und alles Wichtige dort einzutragen. In diesem werden Struktur und Template der Webseite und alle erforderlichen Funktionalitäten genau definiert. Dieses Pflichtenheft bietet außerdem die Möglichkeit, die Umsetzbarkeit des Konzepts vorab zu prüfen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Auftragnehmer, dass er sämtliche Bedenken von Anfang an darin festhält. Haben Sie das Pflichtenheft dann genehmigt, erstellt Ihr Dienstleister ein erstes Konzept und legt es Ihnen vor. An dieser Stelle können Sie ihm Ihre Änderungswünsche vortragen. So können mögliche spätere Änderungen mit weniger Aufwand umgesetzt werden. Bewirken Ihre Änderungswünsche eine Änderung der Rahmenbedingungen und ist dies mit Mehraufwand verbunden, sollte Ihr Auftragnehmer Sie darüber per E-Mail informieren. Stimmen Sie dem zu, darf er das Projekt fortführen. Wichtig ist außerdem, dass Ihr Dienstleister auf eine korrekte Dokumentation achtet.

Fassen Sie Ihren Webdesign-Vertrag so ab, dass die Nutzungsrechte an der Webseite erst nach vollständiger Abnahme und Bezahlung an Sie übergehen: Oft sind noch Änderungen notwendig. Beachten Sie als Auftraggeber außerdem, dass Ihr Dienstleister Ihnen die Nutzungsrechte einschränken kann, falls Sie dies nicht vertraglich ausschließen. Vereinbaren Sie ein ausschließliches Nutzungsrecht, dürfen nur Sie und Ihr Unternehmen die Webseite verwenden. Ihr Auftragnehmer darf sein Produkt nicht einmal als Referenz benennen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie die fertige Internetpräsenz im Nachhinein ändern dürfen. Denn ist diese Regelung nicht ausdrücklich im Vertrag festgehalten, dürfen Sie später nur Fehler beheben, aber keine andere Agentur mit größeren Änderungen beauftragen. Funktioniert Ihre Webseite nicht, ist Ihr Dienstleister zur Nachbesserung verpflichtet. Lassen Sie sie lieber überarbeiten, da sich der in diesem Fall entstandene Schaden nicht genau beziffern lässt. Achten Sie bei Abfassung des Vertrages auch darauf, dass die andere Vertragspartei nicht versucht, eine Haftung auszuschließen. Am besten lassen Sie den Vertrag vor seiner Unterzeichnung von einem Fachanwalt für IT-Recht überprüfen.

Übrigens: IT-Fachkräfte, die ein Seminar bei der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. absolviert haben und die dort gelehrten Verfahren erfolgreich praktizieren, gehen mit gutem Beispiel voran. Denn die Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. lehrt Firmen beispielsweise, wie sie ihre Leistungsfähigkeit durch das Umsetzen geeigneter Planungsverfahren optimieren. Webdesigner und Webmaster lernen die konzeptionellen Überlegungen und Rahmenbedingungen kennen, die bei der Erstellung einer Webpräsenz beachtet werden müssen. Außerdem weist man sie dort in Techniken ein, die die gewünschten Ergebnisse herbeiführen. 

Was Ihr Webdesign-Vertrag unbedingt enthalten sollte

Halten Sie in Ihrem Vertrag fest, ob Ihr externer Dienstleister nur die Entwicklung des Webdesigns oder auch noch die Webseitenprogrammierung übernehmen soll. Außerdem vereinbaren Sie, dass er nur die Webseite erstellen darf. Soll er darüber hinaus noch für eine bestimmte oder unbestimmte Zeit für Sie als Webmaster tätig sein, muss Ihr Vertrag noch eine Kündigungsklausel enthalten. Vereinbaren Sie, dass alle detailliert zu beschreibenden Leistungen in einem als Anlage beizufügenden Pflichtenheft festgehalten werden. Einigen Sie sich außerdem auf technische Einzelheiten wie 

– Programmiersprache 
– Darstellung auf Endgeräten (PCs, Mobilgeräte) 
– Dateiformate, die mit Ihrem Content-Management-System kompatibel sind 

Halten Sie zwecks besserer Planung und Vermeidung von Unstimmigkeiten im Vertrag fest, dass Ihr Webdesigner alle Projektphasen präzise definiert und terminiert. Legen Sie mit ihm zusammen alle Zeitpunkte fest, an denen er Ihnen die vereinbarte Anzahl Konzepte und Entwürfe präsentieren soll und bis wann er die Webseite fertiggestellt haben muss. Definieren Sie auch die Art der Vergütung: Üblich sind die Abrechnung nach Zeitaufwand oder ein Pauschalpreis. Vereinbaren Sie projektbegleitende Ratenzahlung, fixieren Sie im Vertrag die Leistungsziele, zu denen Sie die Teilzahlungen überweisen (Teilabnahmen). Kalkulieren Sie auch mögliche Änderungen mit ein. Diese können als Nachzahlungen nach Aufwand vergütet werden. Alternativ können Sie die Bezahlung nach Abnahme der nicht mehr nachzubessernden Webseite vereinbaren. Diese Regelung hat den Vorteil, dass Sie im Fall einer erforderlichen Überarbeitung vorerst nur einen Teilbetrag bezahlen. Darüber hinaus sollte Ihr Webdesign-Vertrag Regelungen über den Umgang mit Änderungen beinhalten. Definieren Sie außerdem den Zeitpunkt für die endgültige Fertigstellung Ihrer Webseite möglichst genau. Und eine Abnahmepflicht bei weitgehender Mängelfreiheit. Vergessen Sie auch die beiderseitige Vertragskündigung nicht: Legen Sie beispielsweise fest, dass Ihr Auftragnehmer sämtliche bereits entwickelten Entwürfe, Designs und Konzepte an Sie übergibt und Sie ihm die schon erbrachten Leistungen vergüten. 

Darüber hinaus muss Ihr Webdesign-Vertrag Regelungen über Nutzungs- und Urheberrechte an Texten, Fotos und Bildern, über Markenrechte und Persönlichkeitsrechte (bei auf der Webseite abgebildeten Personen) beinhalten. Da Sie selbst und Ihr Dienstleister eigene Inhalte auf der Seite einstellen, sollten beide Beteiligte über die jeweiligen Nutzungsrechte verfügen: Garantieren Sie einander den Fortbestand der Nutzungsrechte an den zur Verfügung gestellten Inhalten. Um sicherzustellen, dass Sie später Ihre Webseite nutzen und eigenständig bearbeiten (lassen) dürfen, müssen Sie für Ihre Firma entsprechende Nutzungs- und Bearbeitungsrechte vertraglich festhalten. Möchten Sie das Webdesign auch noch für Briefpapier und Flyer verwenden, muss dies ebenfalls im Vertrag vereinbart werden. Klären Sie außerdem ab, wer im Fall bestimmter Pannen haftet. Die sinnvollste Regelung ist die, dass jede Vertragspartei für die von ihr begangenen Fehler selbst aufzukommen hat. Wird Ihre Webseite mangelhaft erstellt, gelten zwar die gesetzlichen Gewährleistungsrechte wie das auf Nachbesserung. Da der Webdesign-Vertrag jedoch von einem normalen Werkvertrag abweichende Regelungen enthält, formulieren Sie Ihr Recht auf Nachbesserung sicherheitshalber ausdrücklich in Ihrem Vertrag. Außerdem können Sie noch spezielle Haftungsbeschränkungen festlegen. 

Soll Ihr Auftragnehmer später noch zusätzlich als Administrator tätig sein, müssen Sie dies und die damit verbundenen Aufgaben unter dem Punkt Nebenabreden erwähnen. Zu einer solchen Tätigkeit als Administrator oder Webmaster gehören folgende Dienstleistungen: 

– Erwerb und Verwaltung einer Domain 
– Hosting auf dem eigenen oder einem fremden Server 
– Webseitenoptimierung entsprechend den SEO-Regeln 
– Pflege und Wartung der Webseite 

Treffen Sie derartige Nebenabreden, handelt es sich um einen Internet-System-Vertrag. Dieser gilt ebenfalls als Werkvertrag (Urteil des LG Schweinfurt vom 09.07.2010; Az. 24 S 42/10 und Urteil des BGH vom 04.03.2010; Az. III ZR 79/09). Bei einem derartigen auf bestimmte Zeit abgeschlossenen Internet-System-Vertrag darf das Kündigungsrecht nicht durch eine Klausel in den AGB ausgeschlossen werden. Vereinbaren Sie auch noch Webhosting in Ihren Nebenabreden, sollten diese auch noch Regelungen bezüglich eines Serverausfalls beinhalten. Zu diesen Service Level Agreements gehören die Punkte Schadensersatz, Vertragsstrafen, Minderung und Kündigungsrecht. Falls Sie Ihren externen Dienstleister erst später für zusätzliche Webmaster Services wie die Pflege Ihrer Webseite in Anspruch nehmen möchten, können Sie mit ihm nach der Fertigstellung und Abnahme Ihres Internetauftritts einen freien Dienstvertrag abschließen.

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